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Die diabetischen Folgeschäden

Veröffentlicht am 7. Juli 2009 von Dr. med. Karin Wilbrand

glukoDie diabetischen Folgeschäden hängen eng mit der unterschiedlichen Qualität der Glukoseeinstellung zusammen. Zurückgeführt wird dies auf den sogenannten legacy effect, der ein zelluläres Gedächtnis beschreibt, das jeden zu hohen oder erniedrigten Zuckerwert im Blut registriert. Die Summe und die Zeitdauer der gemerkten Stoffwechselschwankungen spielen eine wichtige Rolle für die Entstehung diabetischer Folgekomplikationen.

Davon betroffen sind sowohl Typ-1-, als auch Typ-2-Diabetiker, deren Zellen ein komplexes Schädigungsmuster erfahren. Es geht aus dem oxidativen Stress durch freie Sauerstoffradikale und Stoffwechselendprodukte hervor, dem die Zellen immer wieder ausgesetzt sind. Es konnte experimentell nachgewiesen werden, dass eine menschliche Endothelzelle durch kurzfristige hohe Blutzuckerbelastung, der Phasen mit normalen Blutzuckerkonzentrationen folgen, zu persistierenden (bleibenden) Zellveränderungen führt.

Dazu muss man sich vor Augen halten, dass hohe Glukosekonzentrationen reaktive Sauerstoffspezies auf den Plan rufen, die in jeder Zelle Veränderungen der Nukleinsäuren (Gene), der Protein- und der Lipidbausteine hervorrufen können. Außerdem kann die erhöhte Glukose die Energielieferanten der Zelle, die Mitochondrien so nachhaltig stören, dass die Funktion der Kraftwerke gestört wird und erneut oxidativer Stress aufgebaut wird.

In diesem Zusammenhang müssen die Schwankungen des Blutzuckerspiegels als wesentlicher Risikofaktor für die bekannten Komplikationen bei Diabetikern definiert werden. Dies konnten bereits viele Studien belegen. Inzwischen ist aber die Erkenntnis gereift, dass die Schwankung der Glukosekonzentration mit einem höheren oxidativen Stress für die Zelle einhergeht, als konstant erhöhte Blutzuckerspiegel, und dass sie intrazellulär deutliche Veränderungen hervorruft. Selbst wenn der Blutzucker über lange Zeit medikamentös korrekt eingestellt ist, sind die zellulären Belastungen durch  vermehrten oxidativen Stress noch längere Zeit nachzuweisen, und dies wird dem zellulären Gedächtnis (metabolic memory) zugeschrieben. Auch wurden epigenetische Veränderungen festgestellt, die dem oxidativen Stress geschuldet sind, und die den Transkriptionsfaktor NF-kappaB kontrollieren, der zur Expression von pro-atherogenen Faktoren führt.

Werden die intrazellulären und auf die Mitochondrien einwirkenden freien Sauerstoffradikale durch die Normalisierung der Blutglukose reduziert, können die Veränderungen in der Zelle vermieden werden.  Die enorme Bedeutung für die Ausbildung einer Atherosklerose und der daraus resultierenden Folgekomplikationen durch eine diabetische Stoffwechsellage werden durch den erhöhten intrazellulären, mitochondrialen oxidativen Stress erklärt, sodass die Normalisierung des Blutzuckers, und zwar sowohl des Nüchtern-Blutzuckers als auch des postprandialen Blutzuckers zur Verringerung der Risikomarker und der Folgeschäden führt.

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