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Wissenschaft belegt Reduktion von Hypoglykämien

Veröffentlicht am 3. Juli 2009 von Dr. med. Karin Wilbrand

studyNur die effektive und frühzeitige Therapie eines Typ-2-Diabetes kann mikro- und makrovaskuläre Komplikationen verhindern, wie zahlreiche Präventions- und Interventionsstudien zeigen. Der Erfolg der frühen Intervention beruht auf dem metabolischen Gedächtnis der Zellen, die jede Blutzucker- und HbA1c-Abweichung registrieren.
Für dieses metabolische Gedächtnis sprechen die Daten des 10-Jahres-Follow-up der UKPD-Studie, sagte Professorin Petra-Maria Schumm-Draeger anlässlich einer Pressekonferenz in Berlin. Vor allem darf der HbA1c-Wert nicht ansteigen und sollte konstant und dauerhaft auf einen Zielwert von 6,5 Prozent mit einem Nüchternblutzucker unter 110 mg/dl normalisiert werden.

Um diese in Europa geltenden Zielwerte zu erreichen, sind kontinuierliche Patientenschulungen, die konsequente Optimierung des Blutzuckers und des HbA1c durch initial orale Antidiabetika, sowie die frühzeitige Integration eines Insulins in das Therapiekonzept geboten, so die Referentin. Die aktuelle Stufentherapie sieht die frühe Umstellung auf eine intensivierte Insulin-Mono- oder Kombinationstherapie zur effektiven Senkung des HbA1c vor, mit der eine optimale Balance zwischen normalisierten Blutzuckerwerten und einer Hypoglykämie anzustreben ist.

Mit NPH-Insulinen sind schwere nächtliche Hypoglykämien weitaus häufiger als mit einem Basalinsulin-Analogon wie Insulin glargin, wie eine der umfangreichsten Metaanalysen aus 11 Studien bei Patienten mit Typ-1- und Typ-2-Diabetes dokumentiert.

Dies unterstreicht auch der Vergleich von Insulin glargin und NPH-Insulin, der eine relative Risikoreduktion von 16,2 Prozent für alle symptomatischen – und 40,8 Prozent mit Insulin glargin für alle Hypoglykämien belegen konnte. Schwere Hypoglykämien wurden sogar um 46,8 Prozent reduziert.

Diese Vorteile bleiben in der Langzeitanwendung erhalten und reduzieren mikrovaskuläre Schäden und Folgekomplikationen. Eine signifikant bessere Glukose- und HbA1c-Kontrolle bei Typ-2-Diabetikern unter Insulin glargin zeigt die Arbeit von C. Hoffmann et al. in Diabetologie & Stoffwechsel, 2008; 3: S. 77, die das Insulin mit einer Metformintherapie verglich. In der GINGER-Studie wird die signifikant bessere HbA1c-Senkung einer intensivierten Basis-Bolus-Therapie mit Insulinanaloga im Vergleich zu zweimal täglich verabreichtem Mischinsulin belegt. Eine über zwei Jahre andauernde, retrospektive Langzeitanalyse weist eine signifikant niedrigere Myokardinfarktrate bei denjenigen Diabetikern nach, die Insulin glargin erhalten hatten im Vergleich zu NPH-Insulinen.

Heutzutage ist der Typ-2-Diabetes weit davon entfernt eine Alterserkrankung zu sein, sagte Professor Matthias Blüher aus Leipzig, der dies anhand der ansteigenden Zahlen bei Kindern und Jugendlichen belegte. Sie werden in einer Umwelt groß, auf die ihre genetische Ausstattung nicht vorbereitet ist. Die weit verbreitete Insulinresistenz lässt die pankreatischen Betazellen versagen, die häufig bereits zum Zeitpunkt der Diagnose schon zu 50 Prozent verloren sind. Beihilfe leisten veraltete Therapien, die häufig hyperglykämische Stoffwechsellage induzieren. Dies führt über das metabolic memory zur Dauerschädigung und kardiovaskulären Komplikationen, erklärte der Referent und begrüßte die aktuellen evidenz-basierten Leitlinien der Diabetesgesellschaft, die eine frühe Intensivierung der Therapie fordern, wenn der HbA1c-Wert nicht unter 6,5 Prozent erreicht wird.

Sobald dieser Wert 7,5 Prozent überschreitet, ist eine Insulintherapie indiziert. In den neuen Leitlinien sollen Insulinanaloga modernsten Anforderungen gerecht werden, weil sie keinen Spritz-Ess-Abstand oder wegen Gewichtszunahme problematische Zwischenmahlzeiten erfordern, sagte Blüher. Damit haben die Fachgesellschaften den Anforderungen der Therapeuten und der Patienten entsprochen, weil ein Insulinanalogon wie Insulin glargin über 24 Stunden wirksam ist, deutlich seltener Hypoglykämien verursacht als NPH-Insulin und mikrovaskuläre Spätschäden oder kardiovaskuläre Komplikationen vermeiden kann.

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