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Rat und Hilfe bei sexueller Funktionsstörung

Veröffentlicht am 2. Juli 2009 von Dr. med. Karin Wilbrand

edtalk_nZwar leben wir in einer aufgeklärten und für fast alle Themen offenen Gesellschaft, dennoch gehören Gespräche über sexuelle Störungen noch weitgehend in den Tabubereich. Dabei ist längst jedem klar, dass Erektionsstörungen nicht nur im Alter zunehmen, sondern auch regelmäßige Begleiter unterschiedlicher Erkrankungen sein können.

So existiert zum Beispiel bei Diabetikern ein Risiko von 60 Prozent, dass sie aufgrund ihrer Stoffwechselerkrankung eine erektile Dysfunktion entwickeln. Insgesamt ergeben die Befragungen, dass sich in jeder Altersgruppe der gesunden männlichen Bevölkerung etwa 30 Prozent befinden, die angeben mit ihrer Sexualität unzufrieden zu sein. Neuere Untersuchungen gehen davon aus, dass rund zehn Prozent der Frauen von einer Sexualstörung betroffen sind. Mehrheitlich klagen die Frauen über eine Störung und Verminderung des sexuellen Verlangens.

Als Begründung für ihre Sexualstörung werden sehr unterschiedliche Interpretationen herangezogen, die als Partnerschaftsprobleme, fehlende oder mangelnde Lust sowie Störungen der Erregung und der Orgasmusfähigkeit angegeben werden. Immerhin ist der Leidensdruck bei Sexualstörungen extrem hoch und vergleichbar mit dem Leidensdruck so mancher chronischen Erkrankung.

Sexuelle Störungen haben Auswirkungen auf die gesamte Persönlichkeit eines Individuums, sagte Professor Ulrich Wetterauer anlässlich des 10jährigen Jubiläums des Informationszentrums für Sexualität und Gesundheit e.V.. Immerhin beklagen die Betroffenen nicht nur die körperlichen Beeinträchtigungen, sondern sind in erheblichem Maße in ihrem psychischen Erleben beeinträchtigt. Aufgrund dessen gehören sexuelle Störungen zu den psychosomatischen Erkrankungen. Der somatische (körperliche) Anteil ist durch die Risikofaktoren für Gefäßerkrankungen bedingt und ist in arterieller Hypertonie, Diabetes mellitus, Fettstoffwechselstörungen und Nikotinmissbrauch begründet, so Wetterauer. Schon bei Menschen mit Übergewicht häufen sich die sexuellen Störungen, weil die Risikofaktoren oft schon in dieser prädiabetischen Phase relevant werden. Andere chronische Erkrankungen wie Asthma, Herzerkrankungen, Depressionen oder Tumorerkrankungen werden ebenfalls häufig von einer eingeschränkten oder aufgehobenen Sexualität begleitet.

Für die Betroffenen ist ärztliche Hilfe dringend notwendig, aber heutzutage ist die Hemmschwelle für ein Gespräch über sexuelle Funktionsstörungen noch immer extrem hoch. Vor zehn Jahren wurde bereits das Informationszentrum für Sexualität und Gesundheit gegründet (ISG e.V.), bei dem die Betroffenen anonym Rat und Hilfe erhalten können. Neben telefonischer Betreuung und Beratung über die dort eingerichtete Infoline leistet das ISG Aufklärungsarbeit in der Presse und gibt leicht verständliches Informationsmaterial kostenlos an die Betroffenen ab. Dies hat in sehr vielen Fällen dazu beigetragen, die Hemmschwelle zu überwinden und viele Betroffene fassten den Mut, mit ihrem Partner und/oder dem Arzt über ihre sexuellen Probleme offen zu sprechen und sich behandeln zu lassen.

Schon mit der Einführung von Viagra vor zehn Jahren konnte die Thematik der sexuellen Störungen besser in das Bewusstsein der Öffentlichkeit getragen werden. Die Forschung der letzten zehn Jahre hat weitere Medikamente wie Cialis und Levitra hervorgebracht, mit denen den meisten Betroffenen gut geholfen werden kann.

Für Männer ist auch die Ejaculatio praecox (vorzeitiger Samenerguss) ein bedeutsames sexuelles Problem. Erst kürzlich wurde ein Medikament zugelassen, mit dem diese Störung erfolgreich behandelt werden kann, so Wetterauer, der auch die Hormonsubstitution als praktikable Methode zur Behandlung von sexuellen Funktionsstörungen definierte.
Inzwischen sind auch für Frauen mit sexuellen Störungen neue Medikamente verfügbar, sodass Ärzte und Psychotherapeuten die Thematik aufgegriffen haben und in ihrer Praxis eine Paarberatung anbieten.

ISG: fachgerecht informiert, diskret beraten

Das Informationszentrum für Sexualität und Gesundheit e.V. (ISG) mit Sitz in Freiburg leistet im Auftrag von Liebe & Sexualität Pionierarbeit. Im April 1999 gegründet, ist der Verein bundesweit die erste Anlaufstelle für Fragen rund um Liebe, Lust und sexuelle Störungen. Dem Vorstand und Beirat des Vereins gehören neben Urologen und Psychiatern auch Hausärzte, Internisten, Kardiologen und Gynäkologen an.

Unter dem Dach des ISG haben sich die ausgewiesenen Experten aus Medizin, Wissenschaft und Gesellschaft zusammen geschlossen, um die gesundheitsfördernde Wirkung der Liebe publik zu machen und zu einer zeitgemäßen Bewusstseinsbildung beizutragen: denn Liebe hält nachweislich körperlich und geistig gesund, wenn sie aktiv gelebt wird. Sexuelle Störungen sind eine Frage der Gesundheit und des persönlichen Glücks – und kein Thema für Vorurteile, Tabus und Mythen.

Für alle, die mehr über ihre Gesundheit sowie eine liebe- und lustvolle Sexualität erfahren möchten, bietet das ISG die Zeitschrift „Liebe hält gesund“ an, sowie fachgerechte Broschüren und hilfreiche Informationsblätter. Qualifizierte Informationen können über das Internet direkt eingesehen oder per E-Mail bzw. Post angefordert werden:

ISG – Informationszentrum für Sexualität und Gesundheit e.V.
Geschäftsstelle, Universitätsklinikum Freiburg
Hugstetter Straße 55, 79106 Freiburg

ISG Infoline: 0 180 – 555 84 84 (14 Cent pro Minute), Montag bis Freitag, 10 bis 12 Uhr
und 15 bis 20 Uhr

E-Mail: info@isg-info.de
Internet: www.ISG-info.de

Alle persönlichen Daten werden natürlich absolut vertraulich behandelt.

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