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der Adipositas Stiftung Deutschland

Metabolische Chirurgie – Ausweg in der Diabetesbehandlung?

Veröffentlicht am 18. Februar 2009 von Richard Kessing

ChirugieNach wie vor nehmen Übergewicht und Adipositas in Deutschland weiter zu. Mittlerweile hat selbst die Bundesregierung reagiert und mit einem nationalen Aktionsplan auf das immer größer werdende medizinische Problem geantwortet. Dabei setzt die Politik auf die Aufklärung und die Motivation des Betroffenen etwas gegen seine Pfunde zu unternehmen. Nach Meinung der Deutschen Adipositas-Gesellschaft ist der Einzelne damit überfordert. Auch ist die Zahl qualifizierter und interdisziplinär ausgerichteter Behandlungseinrichtungen für adipöse Patienten viel zu gering. Es ist nicht verwunderlich, dass es tatsächlich keine wirksamen konservativen Strategien gegen das Übergewicht gibt.

Der Nutzen einer bereits geringen Gewichtsreduktion auf Begleit- und Folgeerkrankungen ist immens. Insbesondere Diabetiker profitieren schon von einer geringen Gewichtsreduktion, die aber bei einem Diabetes im Allgemeinen schwerer zu erreichen ist als bei Nichtdiabetikern. Vielmehr sind deutliche Gewichtszunahmen unter einer Therapie mit Insulin oder einzelnen oralen Antidiabetika festzustellen. Neue pharmakologische Behandlungsoptionen unter Einbeziehung des Inkretinsystems bieten eine Möglichkeit zur Verhinderung der Gewichtszunahme unter einer antidiabetischen Therapie.

Angesichts der bisher nicht überzeugenden Datenlage zum Erfolg der konservativen Adipositastherapie ist es nicht überraschend, dass invasive Therapiestrategien immer mehr Bedeutung erlangen. Das 5. Frankfurter Meeting der internationalen Adipositaschirurgen stand unter dem Motto: „Adipositas und metabolische Störungen“. Auf dem größten Fachkongress für Adipositas-Chirurgie in Europa stellten Chirurgen aus 28 Ländern im Plenarsaal des Frankfurter Römer neueste Forschungsergebnisse und Therapiemöglichkeiten von krankhaftem Übergewicht und Stoffwechselerkrankungen vor.

In Vorträgen und Diskussionen ging man den Fragen nach, wie sich bariatrische Eingriffe auf den Typ-2-Diabetes und Herz-Kreislauf-Erkrankungen auswirken. In mehreren Studien wurde eine Heilung der Adipositas Begleiterkrankung Diabetes Typ 2 festgestellt werden. So zeigten die Auswertungen der 10 Jahresdaten der prospektiven SOS-Studie (Swedish Obese Subjects Studie) erstmals, dass bariatrische Operationen die Überlebenschancen von Menschen mit morbider Adipositas verbessern. In einer kleinen Studie mit 50 Patienten wurden 73 Prozent, und somit drei von vier aller insulinpflichtigen Adipositas-Patienten mit Typ-2-Diabetes, die sich einem Magenbypass unterzogen, durch den chirurgischen Eingriff von ihrer Stoffwechselerkrankung geheilt. Führt man sich die rapide steigende Zahl an Diabetes-Neuerkrankungen vor Augen, ist dies ein beispielloser Erfolg bei der Stoffwechselerkrankung. In Deutschland leiden acht Millionen Menschen an Diabetes und 350.000 Neuerkrankungen kommen jährlich hinzu.

Nach wie vor muss die Indikation für die chirurgische Therapie von Diabetikern mit Adipositas weiterhin sehr zurückhaltend und unter sorgfältiger Berücksichtigung von Psyche, Komorbiditäten und bisherigen Therapieversuchen des Patienten gestellt werden. Dennoch scheint es gerechtfertigt, dass mehr adipöse Patienten als bisher die Möglichkeit zur chirurgischen Intervention erhalten, da neue Methoden und hohe Effektivität langfristig zu deutlichen Einsparungen der Gesundheitsausgaben führen.

Prof. Dr. Rudolf Weiner

Prof. Dr. Rudolf Weiner

Nach Auffassung des Kongresspräsidenten, Professor Rudolf Weiner vom Krankenhaus Sachsenhausen, Frankfurt, ist Deutschland auf dem Gebiet der metabolischen Chirurgie nach wie vor ein Entwicklungsland bezüglich der Zahl der Eingriffe. Möglicherweise beginnen aber Krankenkassen und medizinische Dienste ihre restriktive Haltung der Genehmigungspraxis bei bariatrischen Operationen zu überdenken.

Die Betreuung der Betroffenen endet nicht mit der Operation. Voraussetzung für den nachhaltigen Erfolg jeder chirurgischen Maßnahme ist eine sorgfältige internistischen Nachbetreuung. Leider fehlen auch hier ausreichend qualifizierte und spezialisierte ernährungsmedizinische Einrichtungen.

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