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Änderung des Lebensstils kommt der Leber zugute

Veröffentlicht am 15. Dezember 2008 von Dr. Petra Kreuter

AlkoholAls häufigste Leberveränderungen in unserer westlichen Welt gelten mittlerweile die sogenannten nicht-alkoholischen Fettlebererkrankungen (NAFLD; „non-alcoholic fatty liver diseases“). Zu diesen Erkrankungen zählen sowohl die einfache Fettleber (NAFL, „non-alcoholic fatty liver“) als auch die bereits mit Entzündung einhergehende Fettleber (NASH, „non-alcoholic steatohepatitis“), ferner im Krankheitsverlauf die Fibrose der Fettleber sowie die Leberzirrhose. All diese Formen treten auch bei Leberschäden durch übermäßigen Alkoholkonsum auf.

Bei der Entstehung der NAFLD kommt es hingegen zu einem Zusammenspiel zwischen genetischer Veranlagung und Stoffwechselstörungen, sprich Adipositas, hoher Blutzucker, hohe Blutfette und Bluthochdruck. Besonders das Bauchfett und die Insulinresistenz versprechen eine schlechte Prognose, was die Entzündung der Fettleber betrifft.

Die reine Fettleber (NAFL), die allen NAFLD gemeinsam ist, fällt zunächst nur im Ultraschall auf. Sie findet sich bei fast allen Adipösen mit einem BMI über 30. Problematischer ist die NASH, die bei bis zu einem Drittel der Adipösen vorliegt. Hier lassen sich durch den Entzündungsprozess auch bereits erhöhte Leberwerte bei einer Blutuntersuchung feststellen. Besonders eine Erhöhung der beiden Transaminasen ALT (Alanin-Aminotransferase) und AST (Aspartat-Aminotransferase) zeigt deutlich, dass eine Schädigung der Leberzellen vorliegt. Die NASH kann sich bei den Betroffenen zudem durch Schmerzen im rechten Oberbauch bemerkbar machen.

Die Therapieempfehlung bei den NAFLD besteht vorrangig in einer Änderung des Lebensstils, der zur oben genannten Risikofaktoren geführt hat. Gewichtsabnahme, fettreduziertes Essen, mehr Bewegung und Blutzuckerkontrolle stehen hier an erster Stelle.

Forscher von der Universität in Sydney, Australien, untersuchten nun, ob auch schon leichte Änderungen im Alltag zu einer Verbesserung der NAFLD beitragen können. Viele Adipöse scheitern in ihren Bemühungen nämlich daran, dass sie sich zu hohe und unrealistische Ziele setzen, die sie nicht erreichen können, so dass letztlich die neue Diät oder die sportliche Aktivität frustriert abgebrochen und nicht weiter verfolgt werden.

Für ihre Studie teilten Jacob George und sein Team 152 Adipöse mit NAFLD in drei Gruppen ein: Die erste erhielt eine ausführliche Besprechung ihrer erhobenen medizinischen Befunde samt entsprechender Ernährungs- und Bewegungstipps zur Gewichtsabnahme. An zwei weiteren Terminen innerhalb von vier Wochen fanden erneute Treffen mit den Ernährungs- und Bewegungsexperten statt.

Gruppe 2 unterschied sich von Gruppe 1 dadurch, dass sie nicht nur drei, sondern insgesamt sechs Beratungen zur Ernährung und Bewegung hatten. Ihre Teilnahme an der Studie dauerte daher auch zehn Wochen.

Die Kontrollgruppe hingegen erhielt nur an dem ersten Treffen Ratschläge zur Gewichtsabnahme.

Bei der Auswertung nach drei Monaten stellten die Forscher fest, dass sich bei den Teilnehmern der Gruppe 2 alle untersuchten Werte im Vergleich zum Studienbeginn signifikant verbessert haben. Reduziert werden konnten besonders das Körpergewicht, der Bauchumfang, die Leberwerte, die Blutfette und das Insulin, gesteigert dagegen die körperliche Aktivität.

Interessant sind aber nun die Ergebnisse der Gruppe 1, die nur drei statt sechs Beratungstermine hatte. Hier veränderten sich zwar nicht alle Werte signifikant, aber zumindest – wenn auch nicht in dem Ausmaß wie in Gruppe 2 – das Körpergewicht, der Bauchumfang, die Leberwerte sowie die körperliche Aktivität.

Die Forscher betonen daher mit Blick auf diese Gruppe der Studienteilnehmer, dass bereits kleine Veränderungen des Lebensstils in kurzer Zeit Erfolge bringen können, um einer Verschlimmerung der NAFLD entgegen zu wirken.

Ärzte sollten daher ihre betroffenen Patienten ermutigen, einen Anfang zu wagen, denn alles ist besser als nichts zu tun. Bereits die Bewegung im Alltag, wie z.B. Treppen steigen statt den Fahrstuhl zu nehmen, und längere Spaziergänge mehrfach die Woche sind zu Beginn zudem oft besser geeignet als Joggen, das nach wenigen Minuten aus Atemnot aufgegeben werden muss. Auch bei der Ernährungsumstellung sollte darauf geachtet werden, dass zwar Kalorien – insbesondere durch Fett – eingespart und mehr Ballaststoffe, Obst und Gemüse verzehrt werden. Beim täglichen Essen muss es aber auch schmecken, sonst sind die guten Vorsätze bald wieder dahin. Viele Ärzte arbeiten bereits mit Ernährungsfachkräften zusammen, die hier beraten können.

Die beste Motivation ist allerdings, wenn NAFLD-Patienten anhand der Laborwerte und der Waage sehen können, dass sich jede geringe Veränderung gesundheitlich auszahlt.

LITERATUR:

St George et al. (2008). Effect of a lifestyle intervention in patients with abnormal liver enzymes and metabolic risk factors. Journal of Gastroenterology and Hepatology. Early View, Date: January 2009. DOI 10.1111/j.1440-1746.2008.05694.x

http://www3.interscience.wiley.com/journal/118533731/home

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