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Welche Diät für adipöse Jugendliche?

Veröffentlicht am 17. November 2008 von Dr. Petra Kreuter

Kohlenhydratarm, kohlenhydratreich oder weniger Fett – während es unzählige Studien gibt, die die Auswirkungen verschiedener Diäten bei Erwachsenen beobachtet haben, existieren nur wenige Untersuchungen, die mit Jugendlichen durchgeführt wurden.

Bereits online ist nun eine weitere dieser Studien erschienen, die laut der Autoren die erste ist, in der drei Diätvarianten mit gleichem Kalorienanteil – nämlich jeweils 1200 bis 1500 kcal – eingesetzt wurden. Unterschiede gab es dagegen bei den Nährstoffrelationen, besonders bei den Kohlenhydraten und Fetten:

  • Diät Nr. 1: bis zu 20 % der Energie aus Kohlenhydraten, 30 % Fett und 50 % Protein (low-carb, low-fat),
  • Diät Nr. 2: bis zu 20 % Kohlenhydrate, 60 % Fett und 20 % Protein (low-carb, high-fat),
  • Diät Nr. 3: 50-60 % Kohlenhydrate, 30 % Fett und 20 % Protein (high-carb, low-fat).

Studienleiter Moshe Phillip und seine Kollegen vom Schneider Children’s Medical Center in Petah Tiqwa, Israel, teilten 55 adipöse Jugendliche im Alter von 12 bis 18 Jahren auf die drei Diäten auf, die sie drei Monate lang einhielten. Für die nachfolgenden neun Monate ernährten sich alle Teilnehmer nach der dritten Diät. Phillip und sein Team sammelten in der gesamten Zeit neben den Daten zum BMI und Körperfett auch Blutwerte wie z.B. Glukose, Insulin und Cholesterin.

Bei der Analyse ihrer erhobenen Daten fanden die Forscher keinen Unterschied, was die drei Diätformen betraf: In allen drei Gruppen sank sowohl der BMI als auch der Körperfettanteil nach den ersten drei Monaten, und auch die Blutfette sowie die Blutzucker- und Insulinwerte verbesserten sich. Allerdings war im Gegensatz zu den anderen Werten der Abfall beim Insulin nur in den beiden „low-carb“-Diäten, nicht aber in der „high-carb, low-fat“-Diät statistisch signifikant. Nach den anschließenden neun Studienmonaten fanden sich bei allen untersuchten Parametern ähnliche Werte wie bereits nach den ersten 12 Wochen, allein der Körperfettanteil stieg in allen drei Gruppen wieder leicht an.

Phillip schlussfolgert daher aus diesen Daten, dass eine „low-carb“- Diät einer „high-carb, low-fat“-Diät nicht überlegen ist, was die Gewichtsabnahme bei adipösen Jugendlichen betrifft. Bezüglich der signifikanten Verringerung des Insulins bei den ersten beiden Diäten sei dies natürlich ein positiver Effekt, wenn es um die Verhinderung von Diabetes in solch jungen Jahren gehe. Allerdings, so der Forscher, seien hier weitere Untersuchungen gefragt, die die Auswirkungen der kohlenhydratarmen Diäten bei Jugendlichen über einen längeren Zeitraum erforschten, denn nur so könnten detaillierte Kenntnisse gewonnen werden.

Da die beiden „low-carb“-Diäten während der dreimonatigen Anwendung keine Nebenwirkungen an den Nieren oder der Leber hervorriefen, sieht Phillips in ihnen eine Alternative, wenn eine „high-carb, low-fat“-Diät bei adipösen Jugendlichen zu keinem Erfolg führt. Es müsse daher gegebenenfalls immer im Einzelfall entschieden werden, welche Diätform die geeignete sei, und deren Auswirkungen auf den Stoffwechsel sollten sorgfältig überwacht werden.

Im Übrigen zeigt sich auch hier wieder die Schwierigkeit, einheitliche Begriffe zu benutzen: Als „low-fat“ werden in dieser Studie 30 Energieprozent Fett bezeichnet. Übersetzt bedeutet „low-fat“ „fettarm“ oder „fettreduziert“, und so haben auch im allgemeinen deutschen Sprachgebrauch „low-fat“-Rezepte nicht mehr als 30 Energieprozent Fett. Diese 30 Energieprozent Fett werden von der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) aber auch als Richtwert für die Fettzufuhr in der Ernährung deklariert. „Fettarm“ bedeutet bei der DGE hingegen, dass weniger als 25 Energieprozent aus Nahrungsfetten stammen, und alles zwischen 25 und 35 Energieprozent Fett stuft sie als „fettmoderat“ ein. Zumindest bei dem Begriff „fettreich“ ist es einfacher: Laut DGE dürfen dies dann mehr als 35 Energieprozent Fett sein, so dass die „high-fat“ 60 Energieprozent Fett in Diät Nr. 2 auf jeden Fall fettreich sind.

LITERATUR:

Semol et al. (2008). Low-carbohydrate (low & high-fat) versus high-carbohydrate low-fat diets in the treatment of obesity in adolescents. Acta Pædiatrica. Early View, Date: September 2008

http://www3.interscience.wiley.com/journal/117988202/home

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