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Verbot von Süßem und Obst erhöht deren Verzehr bei Kindern

Veröffentlicht am 19. Oktober 2008 von Dr. Petra Kreuter

Erwachsene Abnehmwillige kennen es nur zu gut – das Lebensmittel, das man sich verbietet, ist genau das, um das dann ständig die Gedanken kreisen. Diese sogenannte rigide Kontrolle des Essverhaltens – „ab sofort keine Schokolade mehr!“ – führt schlimmstenfalls dazu, dass im Moment des Nachgebens nicht nur ein Stück Schokolade gegessen wird, sondern gleich die ganze Tafel, denn „jetzt ist es auch egal“.

Auch bei Kindern bewirken Verbote von Süßigkeiten in den wenigsten Fällen, dass deren Beliebtheit nachlässt. Wer kennt nicht von früher Kindergarten- oder Schulfreunde, die zuhause selten Süßes essen durften – und die dann zu Besuch woanders Schokolade, Weingummi & Co. sehr gerne und in übergroßen Mengen verzehrten, während man selber schon nach einer normalen Portion genug hatte.

Gleichzeitig stehen „gesunde“ Lebensmittel nicht gerade ganz oben auf der Beliebtheitsliste von Kindern. Versuche, Kinder zum Essen von Obst und Gemüse zu zwingen, schlagen meist fehl. Das Kind verweigert sich, so dass der ausgeübte Druck genau das Gegenteil erreicht. Wie nun der bekannte Mediziner und Buchautor Dr. med. Eckart von Hirschhausen scherzhaft vorschlug, wäre es daher nur konsequent, Brokkoli zu verbieten, damit Kinder ihn bestimmt essen wollen.

Diese Überlegung stellten kürzlich auch Psychologen von der Maastrichter Universität in den Niederlanden an. Hintergrund der Untersuchung von Anita Jansen und ihren Kolleginnen war ein Bericht, dem zufolge holländische Kinder weniger als eine Portion Obst am Tag zu sich nehmen. Damit sich Übergewicht in dieser Altersgruppe nicht weiter ausbreitet, fordern Experte unter anderem, den Obstkonsum zu steigern und den Verzehr von hochkalorischen Lebensmitteln wie Süßigkeiten zu verringern.

Um zu überprüfen, ob vom „verbotenen“ Obst nun tatsächlich mehr gegessen wird, führte Jansen und ihr Team verschiedene Tests mit 70 Grundschulkindern durch. Dabei stellten die Forscher fest, dass diejenigen Fünf- bis Siebenjährigen, die in einem ersten Versuch weder bei den Bananen- noch den Ananasstücken, dafür aber bei den M&M’s und den Haribo-Fruchtgummis zugreifen durften, später umso mehr vom Obst verzehrten als jene Kinder, die von Beginn an alles essen durften. Das gleiche Bild bot sich bei den Kindern, denen anfangs die Süßigkeiten verweigert und nur das Obst erlaubt wurde – bei Wegfall des Süßigkeitenverbotes aßen sie besonders viel M&M’s und Fruchtgummis.

Laut Jansen zeigt die Studie daher, dass das Verbot eines Lebensmittels seinen späteren Konsum nach sich zieht, und das zudem in einer größeren Menge.

Eine Interpretation dieser Ergebnisse erscheint leicht im Fall der Süßigkeiten. Verbieten Eltern ihren Kindern, Schokolade zu essen, besteht die Gefahr, dass der Nachwuchs diese erst recht essen will – und dies auch tut, und weitaus mehr davon als üblich, was zu einer erhöhten Kalorienzufuhr führt. Sinnvoller erscheint es Jansen zufolge daher, Süßes nicht komplett zu verbieten, sondern in Maßen zuzulassen.

Schwieriger ist es beim Obst. Sollen Eltern nun tatsächlich Bananen & Co. erst verbieten, damit dann zugegriffen wird? Und wie wirkt sich dies langfristig auf die Entwicklung von Präferenzen für „gesundes“ Essen aus?

Jansen sieht hier noch viel Forschungsbedarf, was den Einfluss des Elternhauses auf das Essverhalten heranwachsender Kinder betrifft. Vielleicht würde es im Fall von Obst und Gemüse aber schon ausreichen, wenn beides regelmäßig dem Kind zuhause ohne Druck angeboten und von den Eltern selber gerne verzehrt wird.

LITERATUR:

Jansen et al. (2008). From the Garden of Eden to the land of plenty. Restriction of fruit and sweets intake leads to increased fruit and sweets consumption in children. Appetite 51(3): 570-573
http://www.sciencedirect.com/science/journal/01956663

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